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Aus dem FF: Huldigen Sie, wo ist das nächste Internetcafé?

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Als Hobbyhistoriker möchte ich mit diesem abfotografierten Zettel, dessen Original sich in meinem Besitz befindet, an zwei Dinge erinnern: erstens an das Power Net Cafe – ein längst verschwundenes Internetcafé in der Gökerstraße 109 in Wilhelmshaven – und zweitens an die Sternenbasis Wilhelmshaven. #sternenbasiswilhelmshavenetzt vielleicht: Was ist eigentlich ein Internetcafé? Gab es dort kostenloses WLAN für lau oder wie oder what?

Nun ja, fast. Ende des letzten Jahrtausends gab es zu Hause oder unterwegs nämlich noch nicht selbstverständlich Internet – und schon gar nicht kabellos. Internetcafés boten damals im Wesentlichen zwei Dinge an: fest installierte Computer mit Internetzugang per Kabel und gastronomische Versorgung. Der Kaffee mit einem Stück Kuchen und Sahne war dabei oft um ein Vielfaches günstiger als der Ausflug ins World Wide Web.

Ende der 1990er Jahre kostete eine Stunde Internet im deutschen Internetcafé zwischen 10 und 15 D-Mark – umgerechnet etwa 5 bis 8 Euro. Kannste heute kaum noch glauben, wa? Inzwischen ist es genau umgekehrt: Kaffee und Kuchen kosten schnell acht Euro, das WLAN gibt’s gratis dazu.

Doch was haben ein Internetcafé und eine „Sternenbasis“ miteinander zu tun? Und was ist überhaupt eine Sternenbasis? Eine Sternenbasis ist ein militärischer oder ziviler Komplex, der als Ausgangspunkt für Raumfahrtmissionen dienen kann, aber auch der Versorgung und Wartung von Raumschiffen dient. What? Raumschiffe in Wilhelmshaven? Bei dir in der Hose, oder wie?

Nee, nee, nee – keine Raumschiffe in oder über Wilhelmshaven. Eher im damaligen Fernsehprogramm und heute bei diversen Streaming-Anbietern: Star Trek, im Volksmund besser bekannt als „Raumschiff Enterprise“.

Die „Sternenbasis Wilhelmshaven“ war nämlich der Name eines losen Zusammenschlusses von Trekkies aus der Region, die sich regelmäßig im – tadaa! – Power Net Cafe trafen.
Trekkies? What is that denn schon wieder? Sind das nicht Leute, die gern im Harz wandern gehen? Nein. „Trekkies“ nennt man Fans des Star-Trek-Universums. Und jetzt wird so langsam ein Science-Fiction-Schuh daraus.

Wer ging da eigentlich hin, und was wurde gemacht? Tatsächlich kamen die Besucher aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten und Berufsfeldern. Ich selbst war damals hauptberuflich Schüler und saß neben Sparkassenmitarbeitern, Physiklehrerinnen, Rollenspielern, dem Betreiber eines Rollenspielladens, dessen Bruder, der Schwester vom Nachbarn und vielen anderen. Was alle verband, war die Liebe zu Star Trek.

Die meisten erschienen sogar kostümiert als Figuren aus dem Franchise. Man tauschte schwarz-weiß kopierte Episodenführer aus, fachsimpelte über einzelne Folgen und deren Inhalte – und vor allem wurde eines getan: gehuldigt. Wir huldigten Star Trek. Es gab sogar Beförderungen innerhalb der Sternenbasis Wilhelmshaven – ganz analog zum Vorbild aus den Fernsehserien.

Besonders schön fand ich damals, dass auch die Mitarbeiter des Power Net Cafes während der Treffen als Figuren aus dem „Enterprise“-Universum verkleidet arbeiteten. Eine Kellnerin trat als Ferengi auf. Und das beschäftigt mich fast 30 Jahre später immer noch: In der traditionellen Kultur der Ferengi war es Frauen über Jahrhunderte hinweg strengstens verboten, in der Öffentlichkeit aufzutreten, Kleidung zu tragen oder Profit zu machen beziehungsweise Handel zu treiben. Diese Kellnerin verstieß gegen jeden einzelnen dieser Grundsätze. Gut so. Patriarchale Gesellschaften müssen ein Ende haben. Und dieser Text jetzt auch.

Würde es das Power Net Cafe heute noch geben, bekäme es von mir ohne Zögern fünf von fünf Punkte. Nicht nur wegen des Kaffees, nicht nur wegen der Internetanschlüsse, sondern vor allem wegen der Menschen, die dort zusammenkamen.

Das Power Net Cafe ist längst verschwunden, ebenso wie die Sternenbasis Wilhelmshaven. Geblieben sind einige Erinnerungsstücke, ein paar vergilbte Ausdrucke und die Erinnerung an eine Zeit, in der man sich noch persönlich traf, um gemeinsam von den Sternen zu träumen.

Es war eine schöne Zeit. Und ich bin froh, dass ich da war. Hätte mich nämlich erst fast nicht getraut.

#powernetcafe
#sternenbasiswilhelmshaven